Predigt zum 3. Advent

Predigt 1 Kor 4,1-5, 3. Advent IV, 12.12.21

 

(1. Von der Erwartung, dass Christus wiederkommt)

Wir sind in der nahen Erwartung des Weihnachtsfestes; in zwei Wochen ist es so weit. Der Heiland und Retter Jesus Christus wird uns wieder neu angekündigt. Seit Jahrhunderten feiern Christen in der Kirche den Advent. Die Erwartung unseres Erlösers bezieht jedoch nicht allein auf das alljährliche Weihnachtsfest allein und die Erinnerungsfeier der Geburt Jesu. Es geht auch um die Erwartung und die Hoffnung das der auferstandene Jesus einst wiederkommen wird am jüngsten Tag zum letzten Gericht. Das sprechen wir immer wieder in unserem Apostolischen Glaubensbekenntnis aus: „Ich glaube an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, …“ – und dann heißt es später: „er sitzt zur Rechten Gottes des allmächtigen Vaters; von dort wird er wiederkommen, zu richten die Lebenden und die Toten.“ Es ist vielleicht eine Textpassage, über die man leicht hinweg spricht … Für manchen mag es bedrohlich klingen, wenn man vom „letzten Gericht“ redet. In unserem christlichen Glauben ist es jedoch vom Ursprungsgedanken her eine Erlösungsansage. Was wir in dieser Welt erleben, ist noch nicht alles! Und vor allem: das letzte Wort wird nicht von Menschen gesprochen, sondern von Gott selbst, vom wiederkommenden Jesus Christus. ER ist der letzte Richter über das Leben. Kein noch so mächtiger Mensch auf Erden kann das letzte Urteil sprechen, sondern allein der Barmherzige, der sein Leben hingegeben hat. „Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ heißt es im Johannesevangelium (3,16). Mit solchem Glauben erwarten wir das endgültige Heil der Welt. Damit kann man manches Unheil, das in dieser Welt noch herrscht, ertragen – mit dem Bewusstsein, dass das einmal vorbei sein wird …

Ganz in diesem Sinne ist unser heutiges Predigtwort geschrieben vom Apostel Paulus in seinem ersten Brief an die Gemeinde in Korinth im 4. Kapitel (VV.1-5):
4 1 Dafür halte uns jedermann: für Diener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse. 2 Nun fordert man nicht mehr von den Haushaltern, als dass sie für treu befunden werden. 3 Mir aber ist’s ein Geringes, dass ich von euch gerichtet werde oder von einem menschlichen Gericht; auch richte ich mich selbst nicht. 4 Ich bin mir zwar keiner Schuld bewusst, aber darin bin ich nicht gerechtfertigt; der Herr ist’s aber, der mich richtet. 5 Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch ans Licht bringen wird, was im Finstern verborgen ist, und das Trachten der Herzen offenbar machen wird. Dann wird auch einem jeden von Gott Lob zuteilwerden.

 

(2. Goft allein steht das letzte Urteil zu.)

Wenn wir in einen Blick werfen in die damalige Zeit der Christengemeinde in der Hafenstadt Korinth, dann sehen wir dort ziemlich ernüchternde Kämpfe untereinander. Die Gemeinde hafte sich in verschiedene Gruppierungen gespalten, die gegeneinander Stellung bezogen. Da wussten es die einen viel besser als die anderen. Aus der ursprünglich einst gewinnbringenden hoffnungsvollen Gemeinschaft war ein anstrengendes Unternehmen geworden. Der mittlerweile weitergezogene Apostel Paulus, der diese Gemeinde gegründet hatte, geht in seinen beiden Briefen an die Gemeinde auf diese Zustände ein und beschwört die Einigkeit und den Frieden, die einstmals so viele im Glauben motiviert haften. Er selbst kommt in seiner Abwesenheit bei manchen Gemeindegliedern schlecht weg. Sie werfen ihm Verschiedenes vor und schmälern damit seine Autorität als Apostel.

Wie wir hier lesen können, verteidigt sich Paulus auf seine Weise. „Mir aber ist’s ein Geringes, dass ich von euch gerichtet werde oder von einem menschlichen Gericht; auch richte ich mich selbst nicht. Ich bin mir zwar keiner Schuld bewusst, aber darin bin ich nicht gerechtfertigt; der Herr ist’s aber, der mich richtet.“ Mit diesen Sätzen verdeutlicht er, dass er nicht abhängig ist von menschlichen Urteilen. Ebenso wenig kann er sich selbst rechtfertigen. Er ruft den Korinthern ins Gedächtnis, dass allein Jesus, der ihn bis in seinen letzten Herzenswinkel kennt, dass allein dem Herrn ein wirkliches Urteil zusteht über Menschen. Alles andere ist vorläufig und kann wohl mit Irrtümern behaftet sein.

Natürlich brauchen wir als Menschen dennoch die menschliche Gerichtsbarkeit. Straftaten müssen auch hier bestraft werden. Und doch enthalten solche Gerichtsurteile trotzdem nicht das letzte Urteil über einen Menschen.

 

(3. Richtet nicht, sondern stiftet Vertrauen und Frieden!)

Die eigentliche Botschaft des Paulus reicht aber weiter. Er mahnt uns, unsere eigenen Herzen zu prüfen. Wir sollen andere Menschen nicht ständig beurteilen, genauso wenig wie wir uns selbst ständig beurteilen sollen! Was ist das für eine anstrengendes Leben, in dem dann eigentlich immer nur unzufrieden sein kann! Das heißt nicht, dass man mit berechtigter Kritik nicht umgehen sollte. Es muss auch möglich sein, eigene Fehler zu erkennen und es dann besser zu machen. Das ist aber ein Unterschied zu dem „Richten“. Mir kommt es schon immer wieder bedenklich vor, wenn überall ständig geurteilt wird über Politiker, die Verantwortung übernehmen in schwierigen Verhältnissen. Das merkt man auch daran, dass viele Urteile selbst lieber nicht Verantwortung übernehmen wollen. Bedenklich ist ein zunehmendes „Entrüstungsverhalten“, „Shitstorms“, von denen sich viele mitreißen lassen, was ja auch mit unseren digitalen Medien wunderbar einfach funktioniert, oft auch noch am besten anonym. Weil, wenn man dann öffentlich gefragt wird, will man ja nichts gesagt haben … Da geht viel Vertrauen verloren und eine Stimmung des fortwährenden Misstrauens bleibt übrig. So kann man auf Dauer nicht in Frieden leben.

Paulus durchbricht mit seinem Aufruf die allgemeine Stimmung des Misstrauens. Überlasst doch Gott das letzte Urteil, anstatt euch ständig gegenseifig zu verurteilen! Besinnt euch vielmehr darauf, dass wir eine „frohe Botschaft“ zu verkündigen haben! „Dafür halte uns jedermann: für Diener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse.“ Ja, die „Geheimnisse Gottes“ offenbaren uns so eine ganz andere Sicht auf diese Welt. Wir sind Geschöpfe, Kinder Gottes, ins Leben gerufen, um ein Leben in Freude und in Frieden zu führen. Als fehlbare Menschen hängt unser Glück nicht von uns alleine ab, sondern vom Segen Gottes. Alles Wesentliche, was ein Leben ausfüllt, wird uns geschenkt: Gesundheit, Kraft, Familie, Freunde, Feiern in Gemeinschaft. – „Nun fordert man nicht mehr von den Haushaltern, als dass sie für treu befunden werden.“ Und die Treue zu Gott und den Mitmenschen stiftet das Vertrauen, von dem wir gut leben. Unser feistes Vertrauen soll unerschütterlich gründen in der Barmherzigkeit Gottes. Dann können wir auch selbst barmherzig sein, zu unseren Mitmenschen und zu uns selbst. Vor allem damit bereiten wir dem HERRN den Weg zu uns und in diese Welt. Dann hat das Friedenslicht, das wir uns heute weiterreichen wollen, einen tieferen Sinn. Lasst uns neuen Frieden stiften! Er fängt in unseren Herzen an.

Amen.

Pfarrer Christoph Thiele

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