Impuls zum Christfest

Liebe Brüder!

Sag nicht „Raunächte“ . Es sind die „Weih-Nachten“, die heiligen zwölf Nächte. Zwölf Tage und Nächte sind es vom Christtag, bis der Dreikönigstag einen neuen Abschnitt des Kirchenjahrs eröffnet. Die „Weih-Nachten“ sind ein besonderer Erfahrungsraum, um Gottes Geheimnis zu feiern und zu meditieren.

Schon der Auftakt dieses besonderen Zeitraums liegt mitten in der Nacht – ganz bewusst: Da alles still war und ruhte und eben Mitternacht war, fuhr Dein allmächtiges Wort herab vom Himmel. (Weisheit Salomos 18,14.15)

„In der Mitte der Zeiten, im Tiefpunkt des Jahres, zur Wintersonnenwende, inmitten der Nacht, in einer Höhle, in der Tiefe der irdischen Welt also, wird der König der Könige, das ewige Licht geboren … die ganze Zeit der ‚heiligen zwölf Nächte‘ dient der Entfaltung dieser Verkündigung: Gott wird Mensch“ (K.B. Ritter).

Schon die ältesten Kalender kennen drei Heiligenfeste in den drei Tagen nach dem Christfest – das „Ehrengefolge des Christkinds“: nämlich das des ersten Märtyrers Stephanus (am 26.12.), das des Evangelisten Johannes (am 27.12. ) und das der von Herodes ermordeten Unschuldigen Kinder von Bethlehem (am 28.12.). Die drei Tage stehen für drei verschiedene Wege, Christus nachzufolgen: mit Mut und Klarheit auch gegen Widerstand (Stephanus), mit tiefem Nachsinnen über Gottes Geheimnis (Johannes), mit kindlicher Einfachheit.

Was auch in die „Weih-Nachten“ gehört: die biblischen Geschichten von der Kindheit Jesu. Wie alle jüdischen Buben wurde Jesus am achten Tag seines Lebens beschnitten und bekam seinen Namen (Lukas 2,21). Der Name „Jesus“ bedeutet „Gott rettet“. Diese Geschichte lesen wir natürlich am achten Tag nach der Heiligen Nacht, also am 1. Januar.

Maria und Josef besuchen mit dem Säugling Jesus den Tempel in Jerusalem – wo der alte Simeon in dem Buben den kommenden göttlichen König erkennt (Lukas 2,22–40). Und noch einmal gehen sie nach Jerusalem – das ist Jesus schon zwölf. Als sie ihn aus dem Blick verlieren und suchen, finden sie ihn schließlich im Tempel (Lukas 2,41–52).

Jedes Jahr freue ich mich auf die Zeit zwischen den Jahren. In diesen zwölf Tagen und Nächten kann ich mich in das Geheimnis vertiefen, dass Gott ein Menschenkind wird. Auch Euch, liebe Brüder, wünsche ich zum Christfest festliche Freude – und das Staunen in der Stunde, „da alles still war und ruhte und eben Mitternacht war“ . Und in den Tagen danach immer neue Entdeckungen in den biblischen Weissagungen und Erzählungen um die Geburt Christi.

Frohe Weih-Nachten!

Euer Bruder Florian Herrmann

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