Geistlicher Impuls zu Epiphanias und Folgesonntag

Psalm für eine lange Winternacht

Müde geworden
der vielen Worte,
die dich nicht fassen,
der weiten Wege,
die dich nicht erreichen,
müde geworden
der Bilder,
die dich nicht zeigen,
der Zeichen,
die dich nicht bezeugen,
müde geworden,
der Antworten und der Fragen,
müde des Lärms und der Stille,
der Sonne, des Regens,
der Glut und der Kälte,
müde des Himmels
und müde der Erde,
legen wir alles ab,
was wir einmal waren,
was wir sind
und sein werden,
und verschwinden im Dunkel.
Du aber hebst uns wieder
ins Licht,
setzt uns, wenn wir zerfallen,
Stück für Stück
wieder zusammen,
öffnest uns, wenn wir verstummen,
Wort für Wort
wieder die Lippen,
gibst uns, wenn niemand
uns aufnimmt,
dauernden Aufenthalt,
und erweckst uns,
wenn alles in uns erstorben ist,
alles erstarrt und erfroren,
wieder zu loderndem
Leben.
(Christian Teissl in: Kleine Zeitung, Graz, 24.12.2021, Seite 3)

Lesung: Jes 42,1-9

Predigtimpulse

Kennen Sie noch die Geschichten von Grisu, dem kleinen Feuerdrachen, der unbedingt Feuerwehrmann werden wollte? – In der Vorweihnachtszeit habe ich mit meiner Frau einen Teil des Gossendorfer Krippenweges erwandert. An die 50 Krippen stehen in dieser Gemeinde der Stadt Bad Gleichenberg (Südsteiermark). Auch die Jugend der Freiwilligen Feuerwehr Gossendorf hat eine Krippe gestaltet. In der Krippe liegt nicht das Jesuskind, sondern Grisu. Josef und Maria sind aus Holzstämmen gestaltet, die mit Feuerwehrschläuchen ummantelt sind. Und wie soll es anders sein? –  Sie tragen Feuerwehrhelme.
Darf man so die Weihnachtserzählung darstellen? – Für mich ist diese Darstellung sehr aussagekräftig. Daheim habe ich mir gleich einige Episoden dieser Zeichentrickserie angesehen. Ochs und Esel kommen ja in der biblischen Erzählung auch nicht vor. Sie gerieten wohl mit den spielerischen Ideen des Heiligen Franziskus in die christliche Tradition.
Entsprechend dem Predigttext könnten wir auch ein geknicktes Rohr und einen glimmenden Docht in die Krippe legen.
1. Eine Krippe entpuppt sich als Ort der Sehnsucht. Hat nicht Grisu ähnliche Vorstellungen von seinem Leben, wie hier der Gottesknecht: an der Hand fassen…Augen zu öffnen…Gefangene holen…ins Licht führen. Und dies im Widerspruch zu seinem Vater Femo.
2. In vielen Darstellungen, so auch in meiner Heimatstadt, steht die Krippenlandschaft vor dem jeweiligen Stadtbild. Will sagen: Gott will hier, unter uns, Mensch werden, uns in seine Nachfolge rufen, in unseren Herzen neu geboren werden. Krippendarstellungen gibt es nahezu aus allen Kulturen. Ich mag meine Maja-Krippe aus Peru ebenso wie eine Ebenholzkrippe aus der Maconde. Die Botschaft des Propheten Jesaja gilt eben allen Völkern und Ethnien und verbindet sie universell.
3. Zurück zu Grisu. Femo, sein Vater, ist Touristenattraktion und -schreck zugleich. Sie leben im Drachental in Schottland. Grisu soll in seine Fußstapfen treten, aber er will unbedingt Feuerwehrmann werden. Da bei der Feuerwehr derzeit keine Stelle frei ist, probiert er einige Berufe, in denen er sich bewährt. Zu seinem Leidwesen bricht er nicht in Freudentränen aus. Ein Feuerstoß aus seinem Rachen macht jeweils seinen Erfolg zunichte. Ob er mit diesem Temperament jemals Feuerwehrmann werden kann? Das passt doch gar nicht in seinen Talente pool! Am Ende schafft er es doch!  – Und findet Platz in der Krippe in Gossendorf.
4. Der Grazer Neutestamentler Peter Trummer schrieb im vergangenen Jahr ein Buch mit dem Titel „Den Herzschlag Jesu erspüren“ (Herder 2021) Ist nicht das Bild des Feuers ein Parameter diesen Herzschlag zu erfassen. Da ist vom glimmenden Docht die Rede. Da machen die Jünger auf dem Weg nach Emmaus die Erfahrung „…brannte uns nicht das Herz in Brust“ …und sind wir nicht „oft mit Blindheit geschlagen“ (vgl. Lk 24,1ff).
Nun habe ich einen biblischen Kanon im Ohr: Feuer auf die Erde zu werfen, Feuer werfen bin ich gekommen und will nur das Eine, dass es brennt (Winfried Heurich) Dieses Feuer hat mit der Weihnacht begonnen und wir sind eingeladen es zu entfachen. Aus der Gerechtigkeit erstrahlt das Licht für die Völker. Dafür hält Grisu die Welt reif und ist der Klang des Liedes vom Gottesknecht nicht das Material der Windeln, in die das Jesuskind gewickelt ist?
Den Herzschlag Jesu erspüren, eine Einladung in diesen weihnachtlichen Tagen und dieser Jahreswendezeit.

 

Nimm dir Zeit, um
zu arbeiten,
es ist der Preis des Erfolges.
Nimm dir Zeit, um nachzudenken,
es ist die Quelle der Kraft.
Nimm dir Zeit, um zu spielen,
es ist das Geheimnis der Jugend.
Nimm dir Zeit, um zu lesen,
es ist der Brunnen der Weisheit.
Nimm dir Zeit, um freundlich zu sein,
es ist das Tor zum Glücklichsein.
Nimm dir Zeit, um zu träumen,
es ist der Weg zu den Sternen.
Nimm dir Zeit, um zu lieben,
es ist die wahre Lebensfreude.
Nimm dir Zeit, um froh zu sein,
es ist die Musik der Seele.
Nimm dir Zeit, um zu beten,
es ist die größte Kraft auf Erden.
Nimm dir Zeit, um Gott zu finden,
denn ohne ihn ist jede Zeit nutzlose Zeit.

(Gebet aus Irland)

In diesem Geist bitten wir um Gottes Segen.
Amen.

Pastor (EMK) Christoph Petau, Graz

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