Gottesdienst zum 2. Advent

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Bruder Gregorius erprobt gerade den Umgang mit dem tablet (Ipad) am Altar.
In der pdf sind auch audios hinterlegt.

 

Für Kinder und Erwachsenne:
             

Predigt 

(über Jes 63)

Schau vom Himmel und sieh herab von deiner heiligen, herrlichen Wohnung! Wo ist nun dein Eifer und deine Macht? . . .  Warum läßt du uns, HERR, ab­irren von deinen Wegen und unser Herz ver­stocken, daß wir dich nicht fürchten?

Kehr zurück um deiner Knechte willen, um der Stämme willen, die dein Erbe sind! Kurze Zeit ha­ben sie dein heiliges Volk vertrieben, unsre Wider­sacher haben dein Heiligtum zertreten.
Wir sind geworden wie solche, über die du niemals herrschtest, wie Leute, über die dein Name nie ge­nannt wurde. Ach daß du den Himmel zerrissest und führest herab, daß die Berge vor dir zerflössen, wie Feuer Reisig entzündet und wie Feuer Wasser sieden macht, daß dein Name kundwürde unter deinen Feinden und die Völker vor dir zittern
müss­ten.

Kein Ohr hat gehört, kein Auge hat gesehen einen Gott außer dir, der so wohl tut denen, die auf ihn harren.
Jesaja 63,15 – 64,3 (gerkürzt) (IV)

Wenig Leute sind übrig, die Gott ehren,
wenige die spüren, dass sie die Nähe zu Gott brauchen und Sehnsucht haben nach ihm.

Die Menschen haben anderes im Sinn.
Das Heilige, das Höchste und das Tiefste,
siedelt jetzt in der Nähe der Verkaufsbuden,
der Reiseagenturen, der Kreditverträge.

Früher haben Marktstände sich um die Kirche herum aufgebaut, jetzt brauchen die Konsumtempel die Spannung zwischen Markttrubel hier und heili­ger Stille dort nicht mehr –

und Gott ist geworden wie ein Bettler.

Wir sehen und hören, was er uns mit scheinbar hilfloser Gebärde anbietet:

Er bietet an:
die Taufe unserer Kinder und Jugendlichen: als ein Zeichen seiner Treue, Liebe und Zuwendung.

„ja mal sehen, wann wir Zeit haben“

Er bietet an:
den Segen über unseren Beziehungen – die Trauung.

„vielleicht später“

Er lädt uns ein, seine Nähe in seinem Haus zu erfahren: „ich muss doch nicht in die Kirche rennen“

Die Mystiker des Mittelalters haben immer davor gewarnt, dass die Dinge dieser Welt uns von Gott entfremden, deshalb war ihr Rat immer: „weniger Dinge“

Ich bezweifle, dass die Menschen im Mittelalter Gott jemals vergessen haben, unsere Zeitgenossen aber, fast alle, haben ihn vergessen.

Ja für viele gilt sogar das Vergessen in zweiter Potenz: sie haben vergessen, dass sie Gott vergessen haben.

Gott ist ein Bettler geworden und die Kirche ham­pelt herum und sucht nach einer Aufgabe, nicht nach ihrer Aufgabe, sondern nach irgendeiner.

Ich wollte mir und euch diese Not drastisch vor Augen führen. Ich wollte nicht ausgewogen sein und wollte Differenzierungen weglassen.

Ich soll uns ja Worte eines Propheten nahebringen.
Die Propheten beschönigen nichts.

Die Ukunde der Ev. Michaelsbruderschaft, der ich angehöre, spricht vor fast hundert Jahren davon, dass der Kirche in der Not eine Verheissung gegeben ist.

Dieser Verheissung will ich mich zuversichtlich nähern.

Jesaja fragt Gott: „warum hast du zugelassen,
dass wir abirren von deinen Wegen und unser Herz gegen dich verstocken?“

„Widersacher haben dein Heiligtum zertreten“.
„Wir sind geworden wie solche, über die du niemals herrschtest, wie Leute, über die dein Name nie genannt wurde.

Beim Zapfenstreich für die Bundeskanzlerin nannte einer der Kommentatoren, ein Prof. Korte „grosser Gott wir loben dich“ ein „Religionslied“. Die Voka­beln „Kirchenlied“ oder „Choral“ standen ihm nicht zur Verfügung, er musste sich einen Begriff basteln.  Nur ein kleines peinliches Detail eines beängsti­gen­den Trends.

Ich sagte: Gott ist wie ein Bettler geworden,

die erklärten Gegner Gottes,
seine Feinde, die Gott seine Kraft und seinen Charme und seine Schönheit neiden, die Gegner Gottes denken:

„wir haben Gott fertig gemacht“
„wir haben ihn aus der Welt geschafft“
wir haben ihn zwar noch nicht getötet
aber weit weggedrängt.

„Ihr irrt euch!“
Ihr habt ihn nicht beseitigt!

Er ist gegangen, er hat sich abgewandt!

Mit Jesaja glaube ich fest daran, dass Gott sich selbst entschieden hat wegzugehen, sich zurückzuziehen,
sich im Gewand eines Bettlers zu verbergen,
so, dass nur wenige ihn noch erkennen.

Wenn Gott schwach ist bei uns,
dann nicht deshalb, weil die Kirche Fehler macht
weil die Christen Sünden begehen, weil die Theo­logen dummes Zeug reden, weil Pfarrer überfordert sind, gute Gottesdienste zu halten, weil ihre Predig­ten nichts taugen, weil wir versäumen, die notwen­digen updates des Programmes Kirche zu fahren, weil wir zu traditionell oder zu progressiv sind, weil es zu viele Unechte unter uns gibt.

Alles das mag zutreffen – mehr oder weniger.

Aber dass Gott ein Bettler geworden ist, das ist deshalb geschehen, weil Gott für sich diesen Weg gewählt hat.

Er tut es nicht zum erstenmal. Er hat es immer wieder getan. Er hat diesen Weg der Ohnmacht auch in der Person seines Sohnes gewählt.

Schaut die Menschen haben Jesus angeklagt,
nieder­geschrieen, ihm den Prozess gemacht,
ihn gequält und getötet. Jesus hat es geschehen lassen.

Mit Jesaja halten wir fest an diesem Gott, der sich
so in die Armseligkeit begeben hat.

Wir wissen in dieser Not ist uns eine Verheissung gegeben: Er, der den Weg in die Schwäche geht, kann sich auch entscheiden, sein Licht neu aufstrah­len zu lassen, seine Kraft und Liebe neu zu zeigen.

Er, der sich zurückzieht,
kann entscheiden, zurück zu kommen!

Reinhold Schneider schreibt 1936 (!):

„Jetzt ist die Zeit, da sich das Heil verbirgt,
Und Menschenhochmut auf dem Markte feiert,
Indes im Dom die Beter sich verhüllen,

Bis Gott aus unsern Opfern Segen wirkt
Und in den Tiefen, die kein Aug’ entschleiert,
Die trockenen Brunnen sich mit Leben füllen.“

Bitten wir Gott voll Zuversicht:
erhebe dich Gott,
zeige deine Macht.
O komm du Morgenstern.
Lass aufstrahlen deine Barmherzigkeit und Liebe.

Es wird schön sein und erschreckend zugleich.

Kein Rachefeldzug Gottes, sondern wie die Sonne, die Nebel und Wolken auflöst.

Wir werden nicht wissen, ob wir lachen oder wei­nen sollen wenn Gott mit neuer Kraft durch das Gerümpel und den Plunder und das blöde Ge­schwätz hindurchbricht.

„Ach daß du den Himmel zerrissest
und führest herab“

Wer die Geschichte Gottes mit seiner Welt kennt, der sieht immer wieder diesen Wechsel zwischen Verblassen und Aufstrahlen,
zwischen Ohnmacht und Kraft.

Das ist Gottes Weg.

Er entscheidet, wann er sich zurückzieht in die Rolle des Bettlers und wann er hervortritt als strahlender Friedenskönig.

Ich persönlich habe wie Jesaja genug,
mir reicht’s. Ich will meinen Gott nicht weiter
als Bettler sehen. Unsere Welt und unsere Seelen brauchen es, dass Gott wieder kraftvoll und liebevoll handelt.

Darum:
bitten wir Gott um seinen Advent, seine Ankunft. Bitten wir ihn mit Jesaja darum, dass er uns neu seine Kraft und Liebe zeigt.

Pfr. Ralf-Dieter Gregorius

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