Andacht zum Erntedanksonntag

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Gebet:
Gott, du hast Himmel und Erde geschaffen und uns Menschen das Werk Deiner Hände anvertraut. Gib uns Deinen Geist, dass wir tun, was Deinem Willen folgt, und lassen, was ihm widerspricht, damit wir bewahren, was Du geschaffen hast. So bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

Wochenlied:
Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit – EG 502

Predigttext: 2. Kor. 9,6-15
Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen. Ein jeder, wie er’s sich im Herzen vorgenommen hat, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. Gott aber kann machen, daß alle Gnade unter euch reichlich sei, damit ihr in allen Dingen allezeit volle Genüge habt und noch reich seid zu jedem guten Werk; wie geschrieben steht: „Er hat ausgestreut und den Armen gegeben; Seine Gerechtigkeit bleibt in Ewigkeit“. Der aber Samen gibt dem Sämann und Brot zur Speise, der wird auch euch Samen geben und ihn mehren und wachsen lassen die Früchte der Gerechtigkeit. So werdet ihr reich sein in allen Dingen, zu geben in aller Lauterkeit, die durch uns wirkt Danksagung an Gott. Denn der Dienst dieser Sammlung füllt nicht allein aus, woran es den Heiligen mangelt, sondern wirkt auch überschwänglich darin, daß viele Gott danken. Um dieses treuen Dienstes willen preisen sie Gott für euren Gehorsam im Bekenntnis zum Evangelium Christi und für die Lauterkeit eurer Gemeinschaft mit ihnen und allen. Und in ihrem Gebet für euch sehnen sie sich nach euch wegen der überschwänglichen Gnade Gottes bei euch. Gott aber sei Dank für Seine unaussprechliche Gabe.

 

Liebe Schwestern und Brüder,

Im letzten Jahresviertel erreichen uns wieder vermehrt Bitten um Spenden für wohltätige Organisationen, Hilfe für Arme und Kranke, für bedrohte Tiere und wichtige Projekte.

Auch Paulus hat um Spenden gebeten und er dankt nun den Spendern in Korinth für ihre Gaben. Sie kommen der Gemeinde in Jerusalem zu gute. Doch warum mußte für sie gesammelt werden? Die Gütergemeinschaft der Urgemeinde, von der die Apostelgeschichte berichtet (Apg. 2,44f) hatte sich als nicht tragbarer Weg erwiesen. Man war in der Erwartung des baldigen Weltendes zu unvorsichtig mit den vorhandenen Besitztümern umgegangen. Das Ende der Zeit war so schnell nicht gekommen. Die Gemeinde war verarmt.

„Die sind doch selber schuld“, hätten die Korinther sagen können. „Glaube ist keine Entschuldigung für schlechtes Haushalten.“ Wie oft begegnen wir der Not der Welt zuerst mit der Frage nach dem Schuldigen!? Doch Paulus stellt nicht die Frage nach der Schuld. Er fragt danach, wie die Not beendet werden kann. Er weist auf den Segen, in dem die Korinther leben, und ist dankbar für die Solidarität, in der sie ihre Gaben mit anderen teilen.

Der Segen des Lebens, der uns froh und satt, geborgen und zufrieden macht, ist Gnadengabe unseres Gottes. Wir dürfen sie dankbar annehmen und verantwortlich mit ihr umgehen. Sehen wir uns so als Beschenkte, dann kann uns nicht bestimmen, was wir haben. Wir sind nicht Besitzende. Es muss uns bestimmen, was wir sind: Kinder Gottes, berufen zum ewigen Leben, als Brüder und Schwestern zueinander gestellt.

Das befreit zur Solidarität der Kinder Gottes, zur gegenseitigen Anteilnahme und Anteilgabe, zur Achtsamkeit mit dem Glück und der Not des Anderen. Als Kinder des einen Vaters im Himmel können wir keine Not als eine fremde Not sehen. Jede Not unserer Schwestern und Brüder wird zur Anfrage an unsere Solidarität und wechselseitige Verantwortung.

Das Erntedankfest nimmt nicht nur die Versorgung des Lebens in den Blick. Es weist uns als Beschenkte aneinander, es mahnt uns zum aufmerksamen Umgang mit den Ressourcen, die wir haben, es erinnert uns an die Verantwortung für die ganze Schöpfung, die wir als vom Schöpfer berufene Verwalter der irdischen Güter vor unserem Gott haben.

Unter unseren Füßen die Erde, die uns trägt, an unserer Seite die Brüder und Schwestern, die unser Leben teilen, über uns unser Gott, der uns das Leben schenkt und dem wir verantwortlich sind – das ist das Bild des Erntedanktages, das wir betrachten und von dem wir uns erfüllen lassen.
Amen.

Fürbitten:
Die Tage der Ernte sind gekommen; es ist Zeit, Dir zu danken, Du reicher Gott, Du gibst uns aus deiner Fülle. Von Deiner Liebe leben wir. Höre unsere Bitten. Segne die, für die wir dich bitten. Wir rufen: Kyrie eleison

Wir danken Dir für unser Leben und das Leben derer, die uns lieb sind. Wir bitten Dich für diejenigen, die um ihr eigenes Leben und das Leben ihrer Angehörigen fürchten. Wir rufen: Kyrie eleison

Wir danken Dir für unser tägliches Brot und für den Reichtum in unserem Land. Wir bitten dich für alle auf der Welt, denen das Nötigste zum Leben fehlt. Wir rufen: Kyrie eleison

Wir danken Dir für das Klima in unserem Land und die reiche Ernte. Wir bitten Dich für alle, die unter Missernten und den Folgen von Stürmen, Überschwemmungen und Austrocknung leiden. Wir rufen: Kyrie eleison

Wir danken Dir für den Reichtum an gesundem Wasser. Wir bitten Dich für alle, die um jeden Tropfen kämpfen müssen und keinen Zugang zu sauberem Wasser haben. Wir rufen:

Wir danken Dir für den Frieden in unserem Land und für alle, die anderen Frieden, Glück und Zuneigung schenken. Wir bitten Dich für alle, die unter Krieg und Gewalt überall auf der Welt leiden. Wir rufen: Kyrie eleison

Wir danken Dir für die Hoffnung, die Du uns durch Jesus Christus schenkst. Wir bitten Dich für alle, die dich nicht kennen. Wir rufen: Kyrie eleison

Wir danken Dir für die weltweite Gemeinschaft der Kirche. Wir bitten Dich um Segen für alles, was in Deinem Namen geschieht. Es ist Zeit, Dir zu danken, Du reicher Gott, Du gibst uns aus Deiner Fülle. Von Deiner Liebe leben wir. Höre unsere Bitten. Segne Deine ganze Schöpfung.                                                                                                Amen.

Vater unser …

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.

 

Väterlesung von Gregor von Nazianz:

Wenn du liest: „Reiche und Arme müssen untereinander sein; der Herr hat sie beide gemacht“, so darfst du das nicht so verstehen, als habe er diesen reich und jenen arm erschaffen, damit du dich um so mehr über den Armen erhebest; denn es steht nicht fest, ob von Gott ein derartiger Unterschied kommt. Ein Gebilde Gottes aber, heißt es, sind beide in gleicher Weise, wenn auch nach außen hin ungleich. Dies aber bestimme dich zum Mitgefühl und zur Bruderliebe, damit, wenn jener Gedanke dich stolz macht, dieser dich demütige und du bescheidener werdest als bisher.

Nicht der geringsten eine unter den Seligpreisungen ist die über die Barmherzigen. Wohl dem, der sich der Armen und Bedürftigen annimmt, der barmherzig ist und gern leiht. Reißen wir die Seligpreisung an uns, seien wir gütig! Selbst die Nacht soll deine Barmherzigkeit nicht unterbrechen. Sprich nicht: Gehe hin und komme wieder, morgen will ich dir geben. Nichts trete zwischen den Entschluß und die Ausführung der Guttat. „Brich dem Hungrigen dein Brot und die im Elend sind, führe ins Haus“, sagt der Apostel, und zwar mit bereitwilligem Herzen. Denn „übt jemand Barmherzigkeit, so tue er‘s mit Lust“, durch bereite Willigkeit erhält deine Gabe doppelten Wert. Was mit Unmut oder Zwang geschieht, entbehrt der Liebe und der Anmut. Wenn du den knauserigen Sinn und damit das Überlegen, das unentschlossene Zögern und die unwillige Rede wegtust, was wird geschehen?  Es wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Besserung wird schnell wachsen. Wer sehnt sich nicht nach Licht und Genesung?

Mit Ehrfurcht gedenke ich des Beutels Christi, der uns zur Unterstützung der Armen auffordert. Meinst du, Mildtätigkeit sei für dich freie Wahl und nicht Pflicht? Ich fürchte mich vor den Worten, die der Herr zu denen spricht, die er zu seiner Linken gestellt hat. Nicht weil sie geraubt oder irgend etwas begangen haben, was verboten ist, werden sie verurteilt, sondern weil sie Christus in den Armen keine Liebe erwiesen haben. Darum, Brüder, laßt uns, so lange es Zeit ist, Christus besuchen, Christus pflegen, Christus nähren und aufnehmen, Christus kleiden und ehren nicht durch Einladung zum Mahl, nicht mit Salben wie Maria, nicht durch ein Grab wie Joseph von Arimathia, nicht mit Gold, Weihrauch und Myrrhen wie die Weisen aus Morgenland; sondern weil der Herr Barmherzigkeit will, wollen wir ihm diese erweisen an den Bedürftigen und zu Boden Geworfenen, damit sie uns einst aufnehmen in die ewigen Hütten.

von Pfarrer Dr.theol. Heiko Wulfert

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