Welche Rolle können geistliche Gemeinschaften bei der Erneuerung der Kirche spielen? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Evangelische Michaelsbruderschaft bei ihrem Gesamttreffen vom 8. bis 11. Oktober 2026 in Vierzehnheiligen. Im Mittelpunkt stehen die Chancen des kirchlichen Strukturwandels und die Frage, welchen Beitrag geistliche Gemeinschaften zur Zukunft der Kirche leisten können.
Chancen des kirchlichen Strukturwandels
Inhaltlich beschäftigen sich die Brüder mit der Aufgabe, die geistliche Gemeinschaften wie die Michaelsbruderschaft in der gegenwärtigen Umbruchssituation der Kirche übernehmen können. Unter anderem gibt es ein hochkarätig besetztes Podiumsgespräch mit der Dominikaner-Oberin Katharina Hemmers, der Pröpstin von Gera-Weimar Friederike Spengler sowie den beiden scheidenden Kuratoren Frank-Otfried July und Mario Fischer.
Von der thematischen Diskussion versprechen sich die Brüder neue Impulse für ihren Auftrag, „an der Kirche zu bauen“. „Wir wollen den Blick auf die Chancen des Strukturwandels legen“, betont der Älteste der Bruderschaft, Roger Mielke, „und hinterfragen die Narrative des schlichten Niedergangs der Kirche.“
Michaelsvesper mit Begrüßung des neuen Kurators
Ein Höhepunkt der diesjährigen Tagung ist die feierliche Michaelsvesper am Samstag, 10. Oktober, um 18 Uhr in der Kapelle des Diözesanhauses mit der Predigt der Bayreuther Regionalbischöfin Berthild Sachs.
In diesem Abendgottesdienst begrüßt die Bruderschaft den Greifswalder Bischof Tilman Jeremias als neuen Kurator, also als kirchlichen Beauftragten und Ansprechpartner der EKD für die Bruderschaft. Gleichzeitig werden zwei bisherige Kuratoren verabschiedet: Landesbischof i. R. Frank-Otfried July als Kurator für die deutschen Konvente und Mario Fischer, langjähriger Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa und jetziger Direktor des Konfessionskundlichen Instituts in Bensheim, als Kurator für Österreich.
Geistliches Leben und gemeinsame Verantwortung
Die Evangelische Michaelsbruderschaft besteht seit 1931. Die rund 200 Brüder wollen an der Kirche mitbauen und durch einen christlichen Lebensstil zu ihrer inneren Erneuerung beitragen. Ihr Leben ist geprägt vom regelmäßigen Gebet, vom oft gefeierten Abendmahl („Evangelische Messe“) sowie von Bibellesung und Meditation. Mehrmals im Jahr kommen die Brüder zu regionalen Treffen zusammen. Das Gesamttreffen in Vierzehnheiligen ist das erste seit zehn Jahren.