Zum Regelsatz 9: Die Brüder nehmen so oft als möglich an der Feier des Heiligen Mahles teil. Die Pfarrer der Bruderschaft gebrauchen das heilige Sakrament selber, wenn sie es zu verwalten haben, soweit es die Ordnung ihrer Landeskirche gestattet. Es ist ein Anliegen der Bruderschaft, daß den Brüdern so oft als möglich, wenn auch im kleinen Kreise die gemeinsame Feier des Heiligen Mahles ermöglicht werde.
Meine Brüder,
Hieronymus sagt in einer Betrachtung zur Speisung der Viertausend (Mt. 15): „Sie hungerten nach großen Belastungen und erwarteten geduldig die kommende Speise. Jesus wollte sie nicht hungrig gehen lassen, damit sie nicht auf dem Wege zusammenbrachen. So ist in Gefahr, wer ohne das Himmelsbrot die ersehnte [ewige] Heimat erreichen will“.
In der Feier des heiligen Mahles legt sich Christus selbst in unsere Herzen und Hände, speist uns mit dem Himmelsbrot, der „Medizin der Unsterblichkeit“. Das Wort der Verheißung, das unsere Ohren und unsere Herzen erreichen will, wird hier zum sichtbaren, körperlich erfahrbaren Wort. Darum hat uns Christus geboten: „Tut dies zu Meinem Gedächtnis!“
Unsere Bruderschaft hat sich als „sakramentale Erweckungsbewegung“ (Hans Carl von Haebeler) sich von Anfang an dafür eingesetzt, das heilige Mahl nicht als „heilige Seltenheit“ zu feiern, sondern ihm seinen zentralen Platz im christlichen Gottesdienst auch der evangelischen Kirchen zurückzugeben, das hörbare und das sichtbare Wort an seinem je eigenen Ort erscheinen zu lassen. So wird der Gottesdienst als Evangelische Messe zu einem Zeichen, das alle Sinne der Teilnehmenden anspricht, zum erfahrbaren Weg der Wandlung des Christen in die Gestalt Christi hinein.
Den Gründonnerstag begehen wir als den Tag der Einsetzung des Heiligen Mahles. An vielen Orten geschieht dies in der Form eines Tischabendmahles, das zugleich an das Passahmahl erinnert, das Jesus mit Seinen Jüngern feierte. In Verbindung mit einer einfachen gemeinsamen Mahlzeit hören wir die Worte der Einsetzung in der Form dieses Tages: „Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, da Er verraten ward – und das ist heute …“. In unserer Mitte wird diese Nacht gegenwärtig und wir reichen einander Brot und Wein, während die Teilnehmenden einander zu sprechen: „Christi Leib, für dich gebrochen“, „Christi Blut, für dich vergossen“.
Unser Bruder Arno Pötzsch dichtet in seinem schönen Abendmahlslied: „Nun segne, Herr, uns Brot und Wein / Deins Tisches edle Gaben! / Du selbst willst gegenwärtig sein / und wunderbar uns laben. / Gib über Bitten und Verstehn, / was Du versprachst zu geben! / In dem, was unsre Augen sehn, / gib Dich uns selbst zum Leben!“
Einen gesegneten Gründonnerstag in der Gemeinschaft des Mahles Christi wünscht Euch
Euer Bruder Heiko Wulfert