Impuls zum Palmsonntag 2026

Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. Joh 3,14b.15

„Alle Welt läuft ihm nach“. Dieser Satz steht – als Resümee der Pharisäer auf den Einzug Jesu in Jerusalem- am Ende des Evangeliums vom Palmsonntag. In Ihm hören wir den Evangelisten Johannes. Hat Matthäus, dessen Bericht über diesen Einzug wir am 1. Advent gelesen haben, die Szene von ihren Wurzeln in der prophetischen Überlieferung Israels betrachtet, so lenkt Johannes unseren Blick auf die bevorstehende Erhöhung Jesu am Kreuz. So wird aus der resignierten Feststellung der Pharisäer „Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet. Alle Welt läuft ihm nach.“ ( Joh 12,19) eine ungewollten Ankündigung des Triumphes des Gekreuzigten.

Mich erinnern diese Zusammenhänge an das, was unsere Regel über das Gebet sagt. Im Abschnitt 3 heißt es: „Der Beter stellt im Gebet sein ganzes Denken und Wollen unter Gottes Urteil und Verheißung. Er bittet um Bereitschaft, seinem Herrn auf dem Wege des Kreuzes nachzufolgen. Sein Leben steht unter dem Zeichen des Kreuzes, dem Zeichen des Gerichts, dem Zeichen des Heils. Er betet in dem Glauben an die Kraft der Auferstehung Jesu Christi. So hat sein Gebet die volle Verheißung. Im Gebet bereitet sich der Bruder, den Weg der Nachfolge des Herrn zu gehen; er lässt an sich geschehen, was auf diesem Wege geschehen soll.“

Unser Gebet will uns verbinden mit dem Schicksal Jesu; im Beten wird sein Weg zu unserem Weg und seine Vollendung am Kreuz und in der Auferstehung verwandelt uns. In einem Gebetsruf der Jesusbruderschaft Gnadenthal, den wir oft beim ökumenischen Kreuzweg gesungen haben, heißt es: „Im Anschauen deines Bildes, da werden wir verwandelt in dein Bild“. Das fasst genau in Worte und Töne, worum es geht, wenn wir Jahr um Jahr zwischen Palmarum und Ostern uns neu hineinbeten und hineinsingen in den Weg Jesu, in seine Passion und Auferstehung. Auch dort, wo wir scheinbar passiv am Weg des Menschensohnes stehen und ihn betrachten, sind wir durch die Gegenwart seines Geistes schon mit hineingenommen in die Dynamik seines Lebens, Sterbens und Auferstehens.

Unser Tagzeitenbuch lädt ein, in den Tagen der Passion den Christushymnus aus dem Philipperbrief zu beten und zu singen (TZB 565). Das kann zu unserer Antwort werden auf die Stationen des Wegs Jesu, die wir in den nächsten Tagen betrachten: „Er entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.“

Bruder Peter Schwarz

 

Foto Quelle: Mosaik -Liederbuch der Jesus-Bruderschaft

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