Impuls in der Fastenzeit zum Sonntag Judika

Zum Regelsatz 23: In Treue und Geduld wollen wir einander beistehen auf dem Wege. Die Brüder suchen einander mehr durch Beispiel als durch Worte zu helfen und zu fördern. Wenn ein Bruder wahrnimmt, dass ein Mitbruder in Unordnung geraten ist, so sucht er einen Weg, ihm zu helfen. Er prüft, ob er mit ihm selbst oder mit seinem Helfer sprechen soll. Immer ist er dessen eingedenk, dass er ebenso der Gesamtbruderschaft wie dem einzelnen Bruder verpflichtet ist.

 

Meine Brüder,

Der Sonntag Judika blickt auf Christus, der für uns zum gehorsamen Knecht wurde (Hebr. 5,7-9) und den Kelch des Leidens angenommen hat (Mk. 10,35-45). Er ruft uns zur Nachfolge auf als das wandernde Gottesvolk, das hier keine bleibende Stadt hat, sondern die zukünftige sucht (Hebr. 13,12-14). Das bedeutet immer wieder den Aufbruch aus den gefestigten Verhältnissen und den vertrauten Gewohnheiten, die Suche nach dem Weg Christi in unserer Zeit. Es ist nicht der breite und bequeme Weg der großen Zahl. Der Apostel wendet sich an die Gemeinde unter dem Kreuz, die mit dem Gottesknecht und durch Ihn zum Dienst gerufen sind.

Unsere Regel erinnert uns daran, dass wir eine Gemeinschaft auf dem Weg sind, in der Einer dem Anderen beistehen soll. Hier zählt nicht das vermeintlich bessere Wissen, sondern das liebende Tun, nicht die zurechtweisende Belehrung, sondern das demütige Beispiel. Die Christen sind die Gemeinschaft der Schwestern und Brüder, die dem Gekreuzigten auf dem Weg durch den Tod in das Leben folgen.

Widerstand und Anfechtung bleiben nicht erspart. Dazu zählen auch die Konflikte untereinander, bei denen in unserer Regel dem Helferamt eine vermittelnde und heilende Rolle gegeben wird. Bevor eine Auseinandersetzung unter Brüdern die gesamte Bruderschaft belastet, soll in dem kleinen Kreis der betroffenen Brüder und ihrer Helfer nach einem versöhnlichen Ausgleich gesucht werden. Das erfordert Mühe und Wahrnehmung der Verantwortung als Bruder und als Helfer.

„Wir können an der Kirche nur bauen, wenn wir selber Kirche sind“ – die Fastenzeit erinnert uns auf’s Neue daran, dass die Kirche Christi eine Gemeinschaft mit Gott versöhnter Sünder ist, die berufen sind, die Versöhnung zeichenhaft zu leben. Mit dem Fastenhymnus singen wir:

Hört die Mahnung der Schrift, jetzt ist die Zeit der Gnade da.
Paulus sagt uns das Wort: Jetzt ist die Stunde unseres Heils,
empfangt nicht vergeblich die göttliche Gnade.
Maßvoll lebe der Leib, wachsam und lauter sei der Geist, dass der Weg dieser Zeit
Durchgang zur Auferstehung sei. Die Erde zu heilen schuf Gott diese Tage.
Zeichen schauen wir nun, irdisches wird zum Bilde hier. Denn das kreisende Jahr
lässt nach des Winters Frost und Nacht den Frühling die Erde für Ostern bereiten.

Eine gesegnete Passionszeit wünscht Euch

Euer Bruder Heiko Wulfert

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