Bericht Michaelsfest Tihany

Der Konvent Österreich feierte 2018 das Michaelsfest in Ungarn. Wir bezogen am 13. September unser Quartier im Gästehaus der Abtei Tihany am Plattensee. Unsere Tagzeitengebete feierten wir in der Kapelle der Abtei in stimmungsvollem Rahmen.

Am ersten Tag nach Vesper und Abendessen wurden wir von einem Pater in die Abtei und das Gemeinschaftsleben kurz auf Deutsch eingeführt. Den Tag beschloss die Komplet und brüderliches Gespräch.

Zur Morgenstunde wurde eine Meditation geboten und nach Frühstück und Gedächtnismesse wurde unter Brüdern Rechenschaft abgelegt. Am Nachmittag hörten wir einen Vortrag von Dr. Hafenscher Károly über 500 Jahre Reformation in Ungarn. Auch diesen Tag beendete die Beichtfeier und eine aufgrund der wenigen Teilnehmer verkürzten Nachtwache.

Am Samstag nach der Festmesse hörten wir den Festvortrag durch den Kurator der evangelischen Kirche in Ungar Dr. Huszár Pál. Am Nachmittag fuhren wir mit dem Schiff und dann Bus nach Veszprém um eine deutschsprachige Führung durch die Altstadt zu genießen. Die Michaelsvesper feierten wir in der Michaelskirche im Zentrum, daselbst unmittelbar vorher noch eine Hochzeit stattfand.
Zurück nach Tiahany ging es mit dem Bus und wir begingen unsere festliche Agape mit den kurzen Reden und schlossen mit dem Brüdergebet.

Am Sonntag nach der täglichen Meditation und Speisung feierten wir die Bruderschaftsmesse und anschließend verbrachten wir Zeit im Gespräch miteinander um nach dem Mittagessen mit der Entlassfeier wieder heimwärts aufzubrechen.

Die benediktinische Abtei Tihany geht auf eine Gründung durch Andreas I im Jahr 1055 zurück. Dieser ist in der Kypta beerdigt. Zur gleichen Zeit lebten russisch orthodoxe Mönche, welche mit seiner Gemahlin aus Kiew kamen, in Höhlen am ostwärtigen Hang der Halbinsel. In neuerer Zeit war die Abtei der letzte Aufenthaltsort von Kaiser Karl in Ungarn bevor dieser ins Exil musste.

Text der Bibelarbeit von Br. Brunner am FJK 2019

Die Verheißung des Heiligen Geistes

15 Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten.

16 Und ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit:

17 den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein.

18 Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch.

19 Es ist noch eine kleine Zeit, dann sieht die Welt mich nicht mehr. Ihr aber seht mich, denn ich lebe, und ihr sollt auch leben.

20 An jenem Tage werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch.

21 Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist's, der mich liebt. Wer mich aber liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.

 

Zur Vorbereitung habe ich folgende Bücher bzw. Werke verwendet:

„Lexikon zur Bibel“ herausgegeben von Fritz Rienecker, R. Brockhaus Verlag Wuppertal (1960)

„Lexikon für junge Erwachsene“ herausgegeben von Hans-Dieter Bastian, Kreuz-Verlag Stuttgart - Berlin, (1970)

Bibel Kommentar Band 7 von Dr. Gerhard Maier, Verlag Hänssler, Neuhausen – Stuttgart, (1986)

 

Das Wort Geist, das ich zunächst einmal näher betrachten möchte, kann in seiner Bedeutung einerseits auf biblische Wurzeln zurückgeführt werden, andererseits auch auf den Sprachgebrauch der klassischen Antike. Die Worte „pneuma“ (aus dem Griechischen), „spiritus“ (aus dem Lateinischen) und „ruach“ (aus dem Hebräischen) stehen für „Atem“, „Hauch“ oder „Wind“, und dieser Atem ist gleichermaßen lebensnotwendig für Menschen und Tiere.

Dieser „Atem“ oder auch „Geist“ ist aber nicht Teil des Menschen, sondern die Kraft, die menschliches Leben am Leben erhält. Der Mensch „hat“ also außer Leib und Seele nicht auch noch den Geist, sondern Geist ist vielmehr die Kraft, die den Menschen in seiner Ganzheit belebt. Das hat bereits die Philosophie der Spätantike aufgegriffen und daher die Begriffe Leib und Geist getrennt.

In der weiteren Entwicklung wurde Geist dann zunehmend im Sinn von „Bewusstsein“ oder auch „Intellekt“ gebraucht, aber damit trennten sich biblischer und philosophischer Sprachgebrauch, und der Satz „Gott ist Geist“ (Joh. 4, 24) wurde dadurch philosophisch unverständlich, denn man kann „Geist“ in diesem Zusammenhang nicht mit „Bewusstsein“ oder „Intellekt“ übersetzen. „Gott ist Bewusstsein“ oder „Gott ist Intellekt“ geht einfach nicht. Ähnlich unverständlich wurde der Begriff „Heiliger Geist“, wenn er zum Beispiel mit der Vorstellung von „Geistern“ als körperlosen Wesen in Zusammenhang gebracht wurde.

Wenn man aber die Verbindung zur biblischen und klassischen Überlieferung wiedergewinnen will, so muss man an den ursprünglichen Sinn des Wortes anknüpfen. Demnach muss also Geist als jene Macht verstanden werden, die den Menschen zum Menschen macht und sich in Moral, Kultur und Religion zeigt. Und Träger dieses Geistes sind vor allem jene Menschen, deren Worte die Macht haben, für sich und andere eine gemeinsame Richtung des Handelns und Denkens zu schaffen. In diesem Sinne erfährt man also die Macht des Geistes durch Begegnung mit anderen Menschen in kulturellen und religiösen Zusammenhängen. Diese Einheit war auch in Jesus verwirklicht, und seine Worte hatten Macht, Menschen in seine Nachfolge zu rufen.

Das Johannesevangelium ist nun jenes Evangelium, das die meisten Aussagen über diesen Geist macht, über den Heiligen Geist, und das vermutlich deshalb, weil die Unterweisung über den Heiligen Geist in die Jünger Lehre gehört und das Johannesevangelium mehr dieser Jünger Lehre enthält als die anderen Evangelien. Diese Aussagen über den Heiligen Geist finden wir vor allem im 14., 15. und 16. Kapitel (14,15-26; 15,18-16,4a; 16,4b-15), dabei hat unser heutiger Text als erstmalige Ankündigung für viele Ausleger grundlegende Bedeutung.

Zunächst beginnt unser Text mit der Aussage: „(15) Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten.“ Hier wird das Wort „lieben“ im Sinne von „nachfolgend“ verwendet und das will uns klar machen, dass „die Liebe zu Jesu“, also eine enge persönliche Verbindung mit Jesus, die Voraussetzung aller Nachfolge ist. Dementsprechend ergibt sich aus der Jesusliebe auch das Halten der Gebote, und genau daran erkennt man auch die echten Nachfolger Jesu (vgl. 13,35).

Und dann weiter im Text heißt es: „(16) Und ich will den Vater bitten und er wird euch einen anderen Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit: (17) den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein.“

Für die Jünger, die IHN lieben und seine Gebote halten, wird Jesus also den Vater bitten, und der Vater wird ihnen, den Jüngern, einen anderen Tröster geben. Dieses Wort „Tröster“ wird aber nur von Luther verwendet. In den meisten anderen Übersetzungen wird der griechische Ausdruck „Paraklet“ wiedergegeben, der so viel wie „Beistand“, „Mittler“, „Fürsprecher“ oder „Helfer“ bedeutet. Es geht also um einen „anderen“ Beistand, den Jesus für seine Jünger vom Vater erbitten wird. Dabei ist aber aufgrund der Aussage, „dass er bei euch sei in Ewigkeit“, ausgeschlossen,

dass es sich um einen menschlichen Beistand handelt, und außerdem wird es immer derselbe „Beistand“ sein bis zur Vollendung des Reiches Gottes, darauf deutet „in Ewigkeit“ hin. Und schließlich bedeuten die Worte „einen anderen Beistand“, dass er wie Jesus wirken wird. Jesus spricht vom „anderen“, was auch vom „Zweiten“ bedeuten kann. Das bedeutet aber doch, dass er der „Erste“ ist, der von sich sagt: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Mt 28,20).

Und dann umschreibt Jesus den Begriff „Beistand“ mit „Geist der Wahrheit“, und aufgrund seiner Aussage: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ (14,6) ist auch klar, dass der „Geist der Wahrheit“ zugleich auch sein Geist ist. Andererseits bedeutet „Wahrheit“ in der Bibel auch „Übereinstimmung mit dem Willen Gottes“, und davon ausgehend kann man „Geist der Wahrheit“ einerseits mit dem Geist interpretieren, der ganz mit Gott übereinstimmt, also dem Heilige Geist, und andererseits auch mit dem Geist, der Gottes Willen bekannt macht.

Vom „Geist der Wahrheit“ sagt Jesus aber auch, dass ihn „die Welt nicht empfangen kann, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht.“ wobei „empfangen“ auch als „annehmen und in sich aufnehmen“ gedeutet werden kann. Der Geist wohnt also einerseits in jenen Menschen, die ihn „empfangen“ haben, und andererseits schreibt Johannes eindeutig, dass „die Welt“ gottfeindlich ist (vgl. 1,10f.; 8,12). Dennoch aber wird die Welt von Gott geliebt (3,16), und daher gibt es für jeden Menschen die Möglichkeit, sich von der Welt abzuwenden und ein Jünger Jesu zu werden. Das bedeutet für mich aber nicht, sich zum Beispiel in eine Einsiedelei zu verkriechen, sondern auch weiterhin mit beiden Beinen im Leben stehen zu bleiben, allerdings unter anderen Prioritäten.

Und von denen, die nun Gott an die Spitze ihrer Prioritätenliste setzen, heißt es daher auch: „Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein.“ Daraus ist zu folgern, dass man den Geist nur dann „kennt“, wenn man ihn aufgenommen und mit ihm Erfahrungen gemacht hat, also wenn der Geist tatsächlich in den Jüngern, also „in euch“, wohnen „wird“.

In den folgenden Versen lenkt Jesus nun vom Heiligen Geist zu sich selbst zurück. Da heißt es: „(18) Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch. (19) Es ist noch eine kleine Zeit, dann sieht die Welt mich nicht mehr. Ihr aber seht mich, denn ich lebe, und ihr sollt auch leben. (20) An jenem Tage werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch. (21) Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist's, der mich liebt. Wer mich aber liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.“

Dass Jesus jetzt in die Ich-Form überwechselt, ist ein klarer Hinweis dafür, dass er mit dem Heiligen Geist eine Einheit bildet, und durch seine Worte „ich komme zu euch“ bestätigt er sein Versprechen aus Johannes 14,3. „Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, auf dass auch ihr seid, wo ich bin.“ Jesus will also seinen Jüngern Mut zusprechen und sie trösten, sichert ihnen zu, dass er sie „nicht als Waisen zurücklassen will“, also auch in Zukunft bei ihnen sein wird.

Er wird zwar nur „noch eine kleine Zeit“ als Mann Jesus von Nazareth unter ihnen sein, sichtbar für sie und die Welt, bald aber „sieht“ ihn „die Welt nicht mehr“, die Welt, die es abgelehnt hat, in Jesus den Messias und Gottessohn zu sehen.

Anders die Jünger, denn durch sein Wort „Ihr“ stellt Jesus sie als Gegensatz zur Welt dar: „ihr aber seht mich,“ und er begründet diese Aussage mit „denn ich lebe, und ihr sollt auch leben.“ Die Existenz Jesu geht also auch jenseits des Todes weiter, und dieses „ich lebe“ ist außerdem auch zeitlos gemeint, so dass es ewiges Leben bedeutet. Und die folgende Verheißung „ihr sollt auch leben“ meint also auch mehr als unser irdisches Leben, und wir müssen uns auch an Jesu Wort aus Johannes 11,25.26 erinnern: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben.“ Hier ist also das Auferstehungsleben und das ewige Leben gemeint, das allerdings schon hier in dieser Welt beginnt.

Und dieses „ihr aber seht mich“ geschieht zunächst im Jünger Kreis, als Jesus sich ihnen nach der Auferstehung zeigt, und nach seiner Himmelfahrt und nach Pfingsten werden sie ihn, erfüllt vom Heiligen Geist, im Glauben sehen. Im Glauben, der sich dann nach dem Sterben in ein vollkommenes Schauen wandelt.

Und durch dieses neue Sehen im Glauben verspricht Jesus seinen Jüngern eine neue, eine umfassende Erkenntnis: „An jenem Tage“ sagt ihnen Jesus zu, „werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch“. Die Jünger müssten laut Johannes 10,38 und 14,10 wissen, „dass“ Jesus „im Vater“ ist, die Aussage „ihr in mir und ich in euch“ ist allerdings neu. Jesus spricht damit also von einer umfassenden Gemeinschaft: Jesus im Vater, die Jünger in Jesus und Jesus in ihnen. Wo bisher nur von der Gemeinschaft Vater Sohn die Rede war, erweitert sich jetzt diese Gemeinschaft vom dreieinigen Gott auf die Jünger, das heißt auf die Gemeinde des Neuen Bundes.

Und wie können wir uns dieses „ihr in mir und ich in euch“ vorzustellen? Die Lösung liegt darin, dass Jesus nach Pfingsten durch den Heiligen Geist repräsentiert wird, und wenn wir diesen Heiligen Geist, also den Geist Jesu, empfangen haben, dann sind wir eins mit Jesus, also „ihr“ die Jünger „in mir“ in Jesus. Und umgekehrt deutet das „ich in euch“ darauf hin, dass Jesus durch seinen Geist auch in den Jüngern wohnt.

Wenn diese Gegenseitigkeit also besteht, also wir „in Christus“ sind und „er in uns“, was sehr schön in dem Bild vom Haupt und den Gliedern des Leibes Christi zum Ausdruck kommt, dann können wir davon ausgehen, dass wir Jesu Gebote „haben“. Und wer seine Gebote „hat“, was hier so viel wie „besitzen“, „zur Hand haben“, „anvertraut bekommen hat“ oder „in sich haben“ bedeutet, „der ist's, der“ Jesus „liebt“, wobei „Lieben“ hier vor allem als umfassende Gemeinschaft mit Jesus gemeint ist, die in Folge das Halten der Gebote erst ermöglicht. Und die Folge von dieser umfassenden Gemeinschaft, was hier mit „wer mich aber liebt“ ausgedrückt wird, erklärt uns Jesus damit, indem er sagt: „der wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.“

Von der Jesusliebe geht es also weiter zum Geliebt sein vom Vater und vom Sohn und zur Offenbarung Jesu. Und da für „offenbaren“ im Griechischen ein Wort steht, das sowohl das „sichtbar werden“ als auch das innere „Offenbaren“ ausdrücken kann, und auch schon vom Kommen Jesu im Heiligen Geist die Rede war, liegt nahe, dieses „mich offenbaren“ ebenfalls auf das Kommen Jesu im Heiligen Geist zu beziehen.

So ist dieser Vers 21 für mich geradezu ein Hinweis auf die göttliche Dreieinigkeit. Denn dann erlebt der Jünger die Begegnung mit dem Vater („von meinem Vater geliebt“), mit dem Sohn („und auch ich werde ihn lieben“) und mit dem Heiligen Geist („und mich ihm offenbaren“: nämlich im Geist).

So zeigt sich, dass auch in den Versen 18-21 der Heilige Geist eine Rolle spielt, obwohl Jesus zunächst von sich spricht und die Stichworte „Paraklet“ und „Geist“ nicht auftauchen. Und es zeigt sich auch, dass diese Verse ebenfalls von dem Trost geprägt sind, den Jesus gibt.

Es hat also durchaus seine Berechtigung, diese Verse, die in der Luther-Übersetzung die Überschrift „Die Verheißung des Heiligen Geistes“ tragen, auch mit „Trostworte an die Jünger“ zu überschreiben.